Wenn die Retrospektive langweilig wird…


Ein Scrum Master bei einem meiner Kunden fragte mich neulich:

Unser Team besteht aus 5 Mitgliedern plus Scrum Master und Product Owner. Insgesamt läuft es ganz gut, wie nicht nur ich, sondern auch das Team empfindet. Aus diesem Grund schaut das Team immer häufiger argwöhnisch auf die Durchführung der Retrospektive. Es manifestiert sich gerade der Eindruck, dass dieses Meeting überflüssig ist bzw. zu häufig stattfindet. Wie begegnet man solchen Entwicklungen? Wir sind ja nun auch schon im Sprint 33. Wie gehen Teams mit der Retro um, die schon länger laufen?

Die Grundfrage lautet für mich dabei: Was führt dazu, dass die Retrospektive als überflüssig oder zu häufig wahrgenommen wird?

Im Regelfall gibt es zwei Möglichkeiten:

(1) Das Team hat all seine Hindernisse bereits aus dem Weg geräumt und lebt bereits glücklich und zufrieden. Es liefert in jedem Sprint ein Produktinkrement aus und erhält wertvolles Feedback von Anwendern und Kunden.

Oder:

(2) Das Team bespricht immer wieder die gleichen Hindernisse, ohne diese zu beseitigen. Veränderungen finden nicht statt und das Team spürt keine Verbesserungen ihrer Arbeitsweise. Im Wesentlichen ist alles so schlecht wie schon immer.

Wie gehst Du damit um?

Auch hier wieder zwei Antworten:

  1. Geh von typischen Problem-Lösungs-Retrospektiven weg. Bring stattdessen immer mal wieder Soft-Skill-Themen über die Retrospektive ins Team, wie z.B. Konflikt-Levels, Kommunikationsmodelle, den Responsibility Process, etc. Damit kannst Du dem Team die ein oder andere neue Perspektive nahebringen, die sich positiv auf die Zusammenarbeit, das Vertrauen im Team oder die Übernahme von Verantwortung auswirkt.
  2. Als Scrum Master oder Team-Mitglied brauchst Du den Mut und die Hartnäckigkeit, die Probleme der Organisation immer wieder in den höheren Etagen anzusprechen. Mach alles transparent und fordere Veränderungen ein. Das klingt alles einfacher, als es wirklich ist. Aber am Ende ist es notwendig, um weiter zu kommen.

Ansonsten gilt als genereller Retro-Tip: es kommt nicht darauf an, dass Du immer wieder neue Formate und Aktivitäten für die Retrospektive ausfindig machst und dem Team damit ein abwechslungsreiches und spannendes Meeting gestaltest. Die Retrospektive ist keine Unterhaltungsshow. Der einzig sinnvolle Zweck einer Retrospektive besteht darin, dass das Team nach jeder Retrospektive eine positive Veränderung in seiner Arbeitsweise und Zufriedenheit feststellt. Die Dinge müssen sich fürs Team konkret und spürbar verbessern.


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